Liebe Leserinnen und Leser,


einen "Mount Rainier of shame and folly" nannte die New York Times die Präsidentschaft von George W. Bush unlängst. Nicht einmal Herbert Hoover und James Buchanan, die bisherigen Favoriten auf diesen Titel, seien noch schlechtere Präsidenten gewesen. Nun wäre es billig, allein Bush jr. die Schuld für den internationalen Ansehensverlust der USA in die viel zitierten Cowboystiefel zu schieben. Die Amtsführung seiner Administration ist mindestens im gleichen Maße Ausdruck der US-amerikanischen Hegemoniekrise, wie sie ihre Ursache ist. Kurz vor Präsidentschaftswahlen und mitten in der ökonomischer Krise der USA können VSA-Bücher helfen, die gegenwärtige Lage auch jenseits des Atlantiks besser zu verstehen.

 

Mit den besten Grüßen,

 

das VSA: Team

 

 


Regimekrise von Dollar und Wall Street. Plötzlich wollen es alle schon immer gewusst haben: Die Politische Ökonomie der Finanzmärkte führt über Boom & Bubble direkt an den Rand einer epochalen Wirtschaftskrise und ist morgen vielleicht schon einen Schritt weiter. Nur europäische Sozialisten reiben sich verwundert die Augen, welche extremen staatlichen Reaktionen die Globale Finanzkrise, ausgerechnet in Nordamerika provoziert. Diskutiert wird in der Finanzmacht USA – unter den Spielarten des Neoliberalismus bis vor kurzem die unumstrittene Hochburg privaten Unternehmertums und ungeregelter Märkte – allen Ernstes über eine Verstaatlichung des Bankensektors. Selbst über einen attac-Beitritt von Henry Paulson würde sich niemand mehr wundern.

 

 

 


Kriege des überdehnten Imperiums. Das Leid, das das US-Imperium u.a. mit seinen Militärstützpunkten in Bagram, Guantanamo und Abu-Ghuraib verursacht hat, lässt sich wohl nur schwer beschreiben. Die finanziellen Kosten hingegen, die allein die Kriege in Afghanistan und im Irak verursacht haben, belaufen sich bereits jetzt auf die astronomische Summe von insgesamt 1,6 Billionen Dollar. Sein letztes Ölfass lässt sich die ungleiche Entwicklung des Imperialismus eine ganze Menge kosten. Das ökologische Desaster, welches dieser fossile Imperialismus anrichtet und hinterlässt, wird von Elmar Altvater, Achim Brunnengräber und Mohssen Massarrat durchleuchtet. Als Alternative zum weltweiten ökonomischen und militärischen Raubbau hat Peter Barnes einen Leitfaden zur Wiederaneignung der Gemeinschaftsgüter vorgelegt: Kapitalismus 3.0

  

 

 


Bedrohung der Demokratie. Angesichts der Exzesse von Militarismus, Naturzerstörung und Finanzkrise kommen Leo Panitch und Colin Leys im Socialist Register 2009, dem Jahrbuch der unabhängigen internationalen Linken, zu wenig optimistischen Schlussfolgerungen. Es trägt den düsteren Titel "Violence Today. Actually Existing Barbarism". Wie bedroht demokratisches Zusammenleben und soziale Freiheitsrechte (nicht nur) in den Vereinigten Staaten von Amerika sind, hängt aber entscheidend von Art und Beschaffenheit der Opposition in Mainstreet USA ab. Arbeitskämpfe von Niedriglöhnerinnen bei Wal-Mart portraitiert Liza Featherstone. Über den Zustand der US-amerikanischen Gewerkschaftsbewegung informiert Malte Meyer. Und die Gründe dafür, dass die Linke nicht zu viel Hoffnung in Barack Obama setzen sollte, kennt Ingar Solty. 

 

 

 


Absturz oder Sinkflug des Adlers? Nicht erst seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise, sondern schon seit einigen Jahren gibt es auch in der akademischen Linken eine intensiv geführte Debatte über das wahrscheinliche Ende des Amerikanischen Jahrhunderts. Für Immanuel Wallerstein ist das keine Frage des "Ob", sondern nur des "Wie". Sein Kollege Giovanni Arrighi sieht das ähnlich und stellt die Potenziale und Perspektiven Chinas auf den weltsystemtheoretischen Prüfstein. Samir Amin schließlich plädiert rundheraus Für ein nicht-amerikanisches 21. Jahrhundert. Globale Emanzipationsbewegungen müssen dafür Sorge tragen, dass ein solches Jahrhundert auch tatsächlich ein besseres wird.

 

 

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